Bürger und Bürgerinnen in Europa offen für Datenverkauf.

Jede*r dritte Verbraucher*in in Europa ist bereit, seine/ihre Daten zu verkaufen. Das zeigt die repräsentative EOS Studie „Was sind Daten wert?“. Von den Unternehmen erwarten Verbraucher*innen einen vertrauensvollen Umgang mit den Informationen und attraktive Gegenleistungen. Hier schlummert für Unternehmen eine große Chance fürs Geschäft.

Studien
  • Verlässlichkeit: Die Mehrheit der Befragten ist zum Datenverkauf an vertrauensvolle Unternehmen bereit.
  • Tauschgeschäft: Mehr als ein Drittel der Verbraucher*innen befürwortet eine Gegenleistung für Daten.
  • Potenzial: Die Bereitschaft zur Datenfreigabe übersteigt zum Teil sogar die Nachfrage.

In China sind nicht nur gläserne Kund*innen vielerorts schon Wirklichkeit, sondern auch die Entlohnung für Daten. Im Restaurant bezahlen, Termine beim Friseur machen, ein Taxi rufen, Versicherungen abschließen oder Kredite aufnehmen – all dies und noch viel mehr ist mit Apps wie Alipay oder WeChat möglich und gehört für die Menschen in China zum Alltag. Die Apps sammeln und verarbeiten die Daten ihrer Kund*innen: Sie wissen, welche Kleider sie am liebsten kaufen, wo sie regelmäßig essen gehen, welche Marken sie bevorzugen oder was ihre Hobbys sind. Die Kund*innen wiederum erhalten für die Datenweitergabe Rabatte und kleine Geschenke – und können mit personalisierten Angeboten angesprochen werden. Ein Geschäft auf Gegenseitigkeit, das zeigt: In der digitalen Welt sind Daten wie Geburtsdatum, Adresse, Gesundheitsinformationen oder Kaufverhalten zu einem zentralen Wirtschaftsgut geworden – zu einer starken Währung. Der Umgang mit ihnen und die Möglichkeiten ihrer Nutzung durch Unternehmen prägen zurecht die öffentliche Debatte.

Wer einem Unternehmen vertraut, gibt seine Daten eher weiter.

Sicher, was die Bereitschaft zur Datenfreigabe angeht, ist China ein Extrembeispiel. Doch auch in Europa (61 Prozent) und den USA (62 Prozent) sowie Russland (70 Prozent) sind die Menschen der Meinung, Unternehmen sollten Kund*innen für die Nutzung ihrer Informationen eine Entschädigung bieten: Daten als Währung. Das zeigt eine aktuelle repräsentative Studie in 17 Ländern zum Thema „Was sind Daten wert?“ des Finanzdienstleisters und -investors EOS und des Marktforschungsinstituts Kantar.

Die Bereitschaft, persönliche Informationen mit Firmen zu teilen, hängt vom Vertrauen in den Umgang mit Daten ab, vor allem von der Einhaltung gesetzlicher Regelungen. Die EOS Studie belegt: Eine klare Mehrheit der Verbraucher*innen ist bereit, einem vertrauenswürdigen Unternehmen mindestens eine persönliche Angabe zu verkaufen – 82 Prozent der Befragten in Europa sehen dies so, 75 Prozent in den USA und 90 Prozent in Russland. Als Gegenleistung wünscht sich mehr als die Hälfte der Befragten Sachleistungen und Rabatte; Serviceleistungen empfindet nur jede*r Fünfte als attraktiv.

Dabei unterscheiden die Menschen deutlich zwischen verschiedenen Arten von Informationen: Als besonders sensibel werden Bankdaten betrachtet – nur acht Prozent der befragten Menschen in Europa würden diese gegen Bezahlung teilen. Am wenigsten Bedenken haben die Verbraucher*innen bei der Weitergabe von Kaufentscheidungen oder Informationen über Marken- und Produktvorlieben – in Europa sind 68 Prozent der Befragten bereit, diese gegen Bezahlung weiterzugeben.

Daten helfen, Forderungsfälle schneller abzuschließen.

Für Unternehmen lohnt es sich, ihre Kund*innen zur Freigabe von Informationen anzuregen. Die Bedeutung dieser Daten für die Entwicklung neuer Produkte, die individuellere Analyse der Bedürfnisse von Kund*innen oder die möglichst passgenaue Vermarktung liegt auf der Hand. Doch auch nach dem eigentlichen Kauf können Datenanalysen sinnvoll sein – etwa, wenn Kund*innen mit Zahlungen in Verzug geraten. Dann kommt das Forderungsmanagement ins Spiel, und auch hier gilt: Je umfassender die verfügbaren Daten, umso individueller lässt sich im Fall eines Zahlungsausfalls ein Ratenplan erarbeiten, der zur persönlichen Situation der Kund*in passt – und umso verlässlicher wird dieser eingehalten. EOS wertet daher im Center of Analytics Inkassovorgänge mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen aus und definiert individuelle Bearbeitungsschritte; in vielen EOS Ländern werden Ratenpläne inzwischen auf Basis intelligenter Datenanalyse erstellt. „Es liegt im Interesse aller Beteiligten, einen Forderungsfall möglichst schnell abzuschließen, um Kosten auf beiden Seiten zu sparen. Dabei helfen Daten“, sagt Joachim Göller, Head of Center of Analytics bei EOS. „Denn je besser die Zahlungsvereinbarung eingehalten werden kann, desto eher bekommt der Gläubiger das Geld und der Verbraucher wird schuldenfrei. Die Weitergabe von Daten kann also durchaus im Sinne des säumigen Zahlers sein.“

Sieht großes Potenzial in der Datenanalyse: Joachim Göller, Head of Center of Analytics, EOS.
Die Weitergabe von Daten kann durchaus im Sinne des säumigen Zahlers sein. Je besser die Zahlungsvereinbarung eingehalten werden kann, desto eher bekommt der Gläubiger das Geld und der Verbraucher wird schuldenfrei.
Joachim Göller, Head of Center of Analytics, EOS

Gefragt sind attraktive Gegenleistungen der Unternehmen.

Wie die EOS Untersuchung zeigt, wurde bereits jede*r fünften Verbraucher*in für die Preisgabe bestimmter Daten eine Gegenleistung angeboten. Zum Teil übersteigt die Bereitschaft zur Datenfreigabe sogar das Angebot der Firmen an Gegenleistungen. „Ich sehe hier noch große Chancen und ungenutztes Potenzial“, betont EOS Experte Joachim Göller.

Über die repräsentative EOS Studie

„Was sind Daten wert?“ 2020

Die EOS Studie „Was sind Daten wert?“, die in Kooperation mit dem Marktforschungsinstitut Kantar im Frühjahr 2020 durchgeführt wurde, ist repräsentativ für die (Online-)Bevölkerung ab 18 Jahren in den 17 untersuchten Ländern. Eine Stichprobe von jeweils 1.000 Befragten aus Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Kroatien, Polen, Rumänien, Russland, der Schweiz, Serbien, der Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien und den USA sowie von 300 Befragten aus Nordmazedonien wurde für die Auswertung verwendet. Die Teilnehmer*innen beantworteten Fragen zu ihrem persönlichen Umgang mit Daten und deren Freigabe, ihrem Vertrauen in Unternehmen sowie ihrer Bereitschaft, Daten gegen Vergütung zu veräußern.

Kostenloses Whitepaper „Was sind Daten wert?"

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Photo credits: Getty Images, EOS / Sebastian Vollmert

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