Die wahre Kunst der Transformation.

„Wenn die Finanzbranche heute von digitaler Transformation spricht, beschreibt sie den Prozess, den EOS bereits seit Jahren durchläuft.“ Ein Interview mit Jürgen Borgartz, Geschäftsführer EOS Deutschland.

Nach rund zwölf Monaten können wir heute eindeutige Gewinner und Verlierer der Pandemie erkennen. Auf welcher Seite sehen Sie EOS?

Jürgen Borgartz: Natürlich monitoren wir bei EOS – unabhängig von der Pandemie – regelmässig die Zahlungseingänge. Mit Corona treten nun genau die Ursachen vermehrt auf, die bei Verbrauchern zu Zahlungsstörungen führen: Krankheit, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit. Bisher blieb ein Einbruch der Zahlungseingänge aus, EOS steht also nicht auf der Verlierer-Seite. Wir sehen uns aber auch nicht auf der Gewinner-Seite: Die Pandemie fordert die gesamte Gesellschaft in einer Weise heraus, auf die wir gerne verzichtet hätten: Unternehmen, die vor der Insolvenz stehen. Menschen, die um ihren Job, ihr geregeltes Einkommen oder sogar um ihre Gesundheit fürchten. Wir befinden uns in einem Ausnahmezustand.

Viele Unternehmen in bestimmten Branchen haben ja durch die Pandemie einen regelrechten Schub bei der Digitalisierung bekommen. Gilt das auch für EOS?

Unsere Kernaufgabe hat sich nicht verändert: EOS heilt Zahlungsstörungen zwischen Gläubigern und Verpflichteten. Dabei unterstützt uns die Digitalisierung. Im Kerngeschäft befindet EOS sich aber schon seit Jahren in der digitalen Transformation: Unzählige Systeme, Prozesse und Strukturen wurden neu entwickelt, verschlankt und automatisiert. Wenn die Finanzbranche heute von digitaler Transformation spricht, beschreibt sie den Prozess, den EOS bereits seit Jahren durchläuft. 

Auch innerhalb der Organisation hatte die Digitalisierung bereits Einzug gehalten. Zu Beginn der Pandemie konnten wir über 80 Prozent der Mitarbeiter*innen das mobile Arbeiten von Zuhause ermöglichen. Denn die Infrastruktur für die digitale Zusammenarbeit, sowohl organisatorisch als auch strukturell, war bereits gegeben. Und bereits in den ersten Wochen der Pandemie haben wir verstanden: Es gibt kein Zurück in den bisherigen Alltag. Es gilt vielmehr, den Weg für das „neue Normal“ zu ebnen: Teamflächen statt Einzelbüros, Ausbau der digitalen Infrastruktur für agiles Arbeiten. Mit der Pandemie kam für EOS also die Bestätigung, dass unsere Strategie der Transformation die richtige war.

Sich immer wieder selbst zu challengen – das ist die wahre Kunst der Transformation. Jürgen Borgartz, Geschäftsführer von EOS Deutschland

Wie wirkt sich die Digitalisierung auf Verpflichtete oder Kunden aus?

EOS hat jeden Tag tausende Touchpoints mit Verpflichteten und Mandanten – da ist es umso wichtiger, jeden Kontakt für beide Seiten effizient zu gestalten. Seit der Pandemie nehmen wir bei unseren Partnern eine höhere Bereitschaft für digitale Prozesse wahr.

Dazu zählt die Nutzung sämtlicher digitaler Zahlungsarten, die wir Verpflichteten zur Begleichung von Aussenständen anbieten, genauso wie die Möglichkeit, per Chat mit uns in Kontakt zu treten. Auf Kundenseite ist es ähnlich: Durch unser Mandantenportal wird die Zusammenarbeit digitalisiert und vereinfacht.

Welchen Herausforderungen sieht EOS derzeit ins Auge?

Es gilt, sich regelmässig selbst zu hinterfragen: Wie können wir den gesamten Alltag digital abbilden? Warum sind heute nur 90 Prozent der Kolleg*innen im Homeoffice – warum nicht 100 Prozent? Welche Prozesse können wir noch digitalisieren? Sich immer wieder selbst zu challengen – das ist die wahre Kunst der Transformation.

Was macht diese Transformation kulturell mit EOS?

Die Transformation gelingt nur mit einer motivierten Belegschaft und einer starken Unternehmenskultur. Wir legen Wert auf stete Weiterentwicklung, Courage und klare Kommunikation. Wir arbeiten crossfunktional und hierarchieübergreifend. Da kommt es auch mal vor, dass ein junger Mitarbeiter der Geschäftsführung den Spiegel vor Augen hält. Im Herzen tickt EOS wie ein Fintech. Und nur mit einer solchen Kultur kann uns die Transformation weiterhin gelingen.

Was macht die Digitalisierung mit Ihnen persönlich?

Ich bin mit meinem gut 50 Jahren weit weg vom Digital Native, aber die Digitalisierung belebt mich. Ich lerne ständig dazu und begeistere mich für neue Themen. Da schlägt mein Herz wie das eines 20-Jährigen. Damit fordere ich meinen jungen Kolleg*innen aber auch viel Geduld ab.

Photo credits: EOS

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