Alte Lasten und neue Chancen: NPL in Osteuropa.

Karel Smerak, Direktor des Transaction Centers NPL Secured für Osteuropa, sieht reichlich Chancen für Forderungskäufe in der Region. Eine Herausforderung: die Datenqualität der Portfolios.

Finanzmärkte

EOS baut seine Aktivitäten als Investor bei besicherten Forderungsportfolios kontinuierlich aus. Wo sehen Sie künftig die grössten Chancen für NPL-Deals?

Karel Smerak: 70 Prozent aller NPL-Deals seit 2015 in Osteuropa entfielen auf Rumänien, Kroatien und Ungarn. In allen drei Fällen ist es uns gelungen, signifikante Beträge in den Erwerb besicherter Portfolios zu investieren – allein oder in Zusammenarbeit mit anderen Finanzinvestoren. Generell konzentriert sich die Aufmerksamkeit vieler Investoren weiterhin auf Griechenland, den mit mehr als 100 Milliarden Euro grössten NPL-Markt der Region. Mit zwölf Milliarden Euro ist Polen, nach Griechenland und der Ukraine, der drittgrösste Markt. In den vergangenen zwölf Monaten haben wir in Polen drei besicherte Transaktionen erfolgreich abgeschlossen. Wir bauen hier das Serviceteam auf und haben mehrere grosse besicherte Transaktionen in der Pipeline, vor allem mit Wohnungen als Sicherheiten. Ich bin überzeugt, dass wir in den kommenden Monaten mehr von Polen hören werden.

Welche Rolle spielt die Qualität der Daten beim Kauf besicherter Portfolios?

Smerak: Datenqualität ist eines der entscheidenden Elemente bei einer Transaktion. Es gibt in Osteuropa viele sehr professionell organisierte Ausschreibungen mit umfangreichen Informationen etwa zu Besitzverhältnissen und zum Zustand der als Sicherheiten hinterlegten Immobilien. Dahinter stecken oftmals monatelange Vorbereitungen des Verkäufers, der meist externe Berater hinzuzieht.

„Es kann auch durchaus vorkommen, dass der aktuelle Besitzer nicht ein­mal genau weiss, was er überhaupt besitzt.“
Karel Smerak, Direktor des Transaction Centers NPL Secured für Osteuropa

Ist das die Regel?

Smerak: Nein. Es gibt auch spontane Verkäufe weniger erfahrener Akteure. Bei denen können nicht nur die Daten als solche falsch oder fehlend sein, selbst der Umfang des Portfolios – also das, was tatsächlich zum Verkauf angeboten wird – kann sich in letzter Minute ändern. Häufig ist die schlechte Datenqualität sogar verständlich. Besicherte NPL-Portfolios umfassen oft ältere Assets, die mehrere Umstrukturierungen, Fusionen und IT-Systemmigrationen „überlebt“ haben. Sie werden verkauft, weil sie nicht mehr zum Kerngeschäft gehören. Diese Vermögenswerte erhalten also kaum Auf­merksamkeit. Die Verkäufer möchten diese Daten oft nicht weiter für eine Transaktion aufbereiten, weil sie glauben, dass sich der Aufwand nicht auszahlt. Es kann auch durchaus vorkommen, dass der aktuelle Besitzer nicht ein­mal genau weiss, was er überhaupt besitzt. Generell gilt: je besser die Daten­qualität, desto höher die Chance für den Verkäufer, einen guten Preis zu erzielen.

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