Digitale Perspektive.

Was macht Digitalisierung eigentlich mit Inkasso? Klaus Engberding, CEO der EOS Gruppe, hat gründlich über die Zukunft nachgedacht – und den grossen Wurf gewagt.

Jahresbericht

Als CEO der EOS Gruppe blicken Sie zum ersten Mal auf ein komplettes Geschäftsjahr zurück. Nicht von ungefähr lautet das Motto des diesjährigen Jahresberichts „Einblicke“ „Challenge accepted“. Was war denn in den zurückliegenden Monaten Ihre grösste Herausforderung?

Klaus Engberding: Obwohl ich die Gruppe zu einem äusserst erfolgreichen Zeitpunkt übernommen habe, war mir klar, dass ich mir einige Zukunftsfragen stellen musste: Welche Impulse will ich der EOS Gruppe geben? In welche Richtung müssen wir uns entwickeln, um unsere Erfolgsgeschichte fortzuschreiben? Und letztlich: Wie kann eine digitale Perspektive dazu beitragen? Die Antworten darauf liefern nun Purpose, Heartbeat und Vision.

Was war denn dabei konkret das Schwierigste? 

Engberding: Es war eine Riesenherausforderung, diese Fragen für alle knapp 7.500 Mitarbeiter in 26 zum Teil sehr unterschiedlichen Märkten zu beantworten. Mir war bewusst, dass wir zunächst einen gemeinsamen Leitgedanken brauchen, nämlich: Wofür kommen wir eigentlich jeden Tag zur Arbeit?

Den Purpose „For a debt-free world“  haben wir gemeinsam mit allen Mitarbeitern erarbeitet und ihnen nicht einfach vorgesetzt. Das ist wichtig. Wir wollten keinen nichtssagenden Allgemeinplatz erschaffen, sondern etwas, was jeden berührt – und was es in der Form nur bei EOS gibt.

„Den Purpose „For a debt-free world“ haben wir gemeinsam mit allen Mitarbeitern erarbeitet und ihnen nicht einfach vorgesetzt.“
Klaus Engberding, CEO der EOS Gruppe

Und spüren Sie eine Veränderung bei den Mitarbeitern?

Engberding: Absolut. Wir gucken anders auf uns selbst und unser Business. Wir haben mit dem Purpose unseren Anspruch formuliert: „For a debt-
free world“. Dabei wissen wir natürlich, dass es auf der Welt immer Kre­dite geben wird, um etwa ein Haus zu finanzieren oder ein Unternehmen durch Investments voranzubringen. Und das ist auch richtig so. Aber wir wollen die Menschen unterstützen, die ihre Rechnungen nicht mehr zahlen können und nach einem Ausweg suchen. Das tun wir mit realistischen Zahlungs­plänen, individueller Ansprache und raschen Abläufen. Im Einklang mit unserem Purpose analysieren wir, wo wir unsere Ansprüche erfüllen und wo nicht. Wenn wir es an einer Stelle nicht tun sollten, arbeiten wir mit Hochdruck an einer Lösung. Auch das bedeutet „For a debt-free world“ für uns.

Warum braucht es neben dem Purpose noch den Heartbeat?

Engberding:  Der Heartbeat beschreibt, wie wir unsere Ziele erreichen, wie wir zusammenarbeiten wollen. Wir haben uns auf sieben Prinzipien verständigt, etwa „Be courageous“, „Embrace change“ und „Trust“. Ein Beispiel: Wenn wir neues Terrain betreten, analysieren wir alle Risiken und suchen sofort nach Lösungen. Das kriegen wir als EOS Gruppe sehr gut hin. Ich vertraue meinen Mitarbeitern, dass wir problematische Situationen managen können. Das ist für mich Unternehmergeist.

„Ich vertraue meinen Mitarbeitern, dass wir problematische Situationen managen können. Das ist für mich Unternehmergeist.“
Klaus Engberding, CEO der EOS Gruppe

Es gibt auch eine neue Vision für EOS. Warum sichert sie den Erfolg?

Engberding:  Die Vision gibt wieder, was wir in Zukunft machen, was der Kern unseres Geschäfts sein wird, und zwar: „We are a globally connected financial­ investor driven by technology and entrepreneurial spirit.“ Heute sind wir ein erfolgreiches Inkassounternehmen. Wir wissen, wie man Forderungen bearbeitet, und können diese bewerten. Deshalb steht für uns als Investor der Forderungskauf künftig noch mehr im Fokus – vor allem, was immobilienbesicherte Portfolios angeht. Durch die neuen Technologien, die die Digitalisierung mit sich bringt – wie Künstliche Intelligenz und so weiter –, werden zwei Dinge getrennt: das Bearbeiten von Forderungen, also das klassische Inkasso, und das Know-how über Forderungen. Dieses Wissen generieren wir durch komplexe Datenanalysen, und wir können es für die Steuerung der Forderungsbearbeitung einsetzen. Das tun wir mit unseren selbstlernenden, schuldnerzentrierten Softwarelösungen. Wie ich bereits sagte, kommt dies wiederum Menschen zugute, die aufrichtig daran interessiert sind, ihren Schuldenberg abzutragen.

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